Zettel mit drei Schwarz-weiß-Fotos mit der Überschrift "Die Müllmenschen von Santiago". Bei den linken beiden Fotos handelt es sich um die gleiche Aufnahme in zwei verschiedenen Größen. Sie zeigt einen ärmlich gekleideten Mann mit Kappe im Halbprofil vor einem Hintergrund aus Müll. Das Foto rechts zeigt einen kleinen Jungen mit einem Eimer, der sich das rechte Auge reibt. Er steht in einer Schuttlandschaft, im Hintergrund eine schiefe Wellblechhütte.

In den 1960er Jahren reiste Reding nach Asien, Afrika und Lateinamerika. In Fernsehdokumentationen für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk berichtet er über Armut und Hunger in den Regionen und veröffentlicht parallel Tagebuchprosa – Reservate des Hungers (1964) und Wir lassen ihre Wunden offen (1965), als Kompilation unter dem Titel Menschen im Müll (1983) –, in der er von seinen Eindrücken erzählt. Reding berichtet so metaphernreich und fiktionalisierend, dass sich die Tagebucheinträge zuweilen wie Abenteuererzählungen lesen, in denen er in unbekannte Welten aufbricht, um dort gegen das Schlechte anzuschreiben – etwa wenn er einen „König der Müllmänner“ als Herrscher über eine „Müll-Landschaft“ in Santiago de Chile skizziert, in der Menschen unter größten Widrigkeiten leben und mit Lumpen handeln.